22.11.14

Schmiergelder für die FIFA - niemals

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Dass bei der FIFA nicht alles ganz sauber ist, das hat wohl damit zu tun, dass dieser Fußballverband weltweit als Monopolist unkontrolliert agiert. Das stört so manchen, bis jetzt konnte man aber nichts dagegen ausrichten. Jetzt scheint aber die Stunde der Wahrheit nahe.
Wir schreiben das Jahr 2014 und November. Die Kandidaten Russland und Katar wurden als die künftigen Weltmeisterschaftsnationen bekannt gegeben. 2018 wird Russland WM-Nation, 2022 soll Katar die WM ausrichten. Angeblich wurde kräftig geschmiert. Für Leser ist dieses “angeblich” bedeutungslos, sie sind sicher, dass Manager oder Politiker jedes Landes, um die WM bekommen zu können, Millionen “unter dem Tisch” verschoben haben. An wen auch immer. Bewiesen ist aber bis jetzt noch nichts.
Die FIFA kontrollierte selbst die Vergabe an Russland und an Katar, um den Vermutungen Fakten entgegenzuhalten. Der Bericht ist streng geheim, der Deutsche Hans-Joachim Eckert schrieb aber über diesen Bericht einen Bericht und veröffentlichte seine Ansichten als Vorsitzender der Ethik-Kommission der FIFA. Dort heißt es: “Der Bericht bringt Vorfälle zutage, die die Integrität des Bieterprozesses in Zweifel ziehen (...) Aber die Effekte dieser Vorfälle auf den Bieterprozess als Ganzes waren weit entfernt von der Grenze, die es nötig machen würde, in den Prozess zurückzukehren oder ihn gar wieder von vorne zu starten.” (Kleine Zeitung, 14.11.2014)
So wortreich und verschlagen argumentiert man sich am Volk vorbei. Was heißt das für uns? 1. Das große ABER: Es wurde geschmiert, ja, aber von Korruption oder Bestechung ist nicht die Rede. 2. KONJUNKTIV 2: Wenn wirklich geschmiert worden wäre, dann hätte das keine Auswirkungen auf die Entscheidungen, die gefällt wurden. 3. FREISPRUCH für die FIFA durch die FIFA. Alles ist bestens, hiermit wird signalisiert: Haltet doch bitte endlich die Klappe, ihr Journalisten und vor allem: du blödes Volk! Verstehst du denn, was Integrität, Bieterprozess, Grenze des Prozesses, in den Prozess zurückkehren usw. heißt? Natürlich nicht, Wir reden so, damit du nichts verstehst. Wir reden nicht deine Sprache, wir reden über die Wirklichkeit hinweg. Über dich hinweg. Du willst ja nur Spiele. Die hast du! Punkt! Fernseher an, Fußball ab, Bier her und Hirn aus!
Heinrich Heine kritisierte schon 1844 solche Machenschaften im Versepos “Deutschland, ein Wintermärchen”:
“Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.


Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.”
Man meint, Heine meinte die FIFA, als er dies schrieb. Vor fast genau 170 Jahren.

25.5.14

Berührende Geschichten

Berührende Geschichte Nummer 1
„Dann können wir von dort doch fliehen, nicht, Mama?“ Istvan Orkeny erzählt in der Kurzgeschichte „Zu Hause“, was ein Mädchen empfindet. Und dabei verändert Orkeny die geistige Perspektive seiner Leser/innen, unseren Blickwinkel auf wichtige Fragen unseres Lebens.
Für uns ist doch Heimat oder zu Hause etwas, womit wir Wohlbefinden, Geborgenheit, Sicherheit verbinden. Da, wo wir zu Hause sind, wollen wir bleiben. Oder nicht? Für das Mädchen, das erst vier Jahre alt ist, ist es anders. Es fragt ganz genau nach, ob man von da, wo man zu Hause ist, jederzeit auch fliehen kann. Es fragt nämlich, ob es dort wohl keine Wächter gibt, wie es sie in der derzeitigen Situation etwa erlebt.
Für das Mädchen zählen nicht die Teddys, die Puppen, das Haus, sondern die Freiheit von Grenzzäunen und die Abwesenheit von Bewachern. Es möchte von zu Hause fliehen können. Das ist sein Begriff von Freiheit. Diese Freiheit ist eine Selbstverständlichkeit für uns, aber für viele Menschenkinder auf der Welt nicht! Afrika, Asien, Amerika, Europa – überall ist Heimat, aus der man fliehen können muss.


Berührende Geschichte Nummer 2
Peter Altenberg erzählt eine Geschichte, die in einem Park spielt. Das Kind eines reichen Paares will einen Ballon und bekommt ihn. Als es den Ballon in Händen hält, will es den Ballon fliegen lassen. Die Eltern appellieren an das soziale Gewissen des Kindes. „Willst du den Ballon nicht dem armen Kind geben?“ Nein, will das Kind nicht, es will den Ballon fliegen lassen. Der Ballon fliegt. Das Kind will einen neuen Ballon. Die Eltern wollen das Kind wieder überreden, den Ballon dem armen Kind zu geben. Der zweite Ballon fliegt. Der dritte Ballon schließlich wird dem armen Kind gegeben. „Lass ihn aus!“ schlägt das Kind der reichen Eltern dem armen Kind vor. Das arme Kind lässt den Ballon nicht fliegen, der Ballon bleibt im Haus des Kindes an der Decke und verschrumpelt nach einigen Tagen. Das arme Kind denkt sich, dass es den Ballon doch hätte fliegen lassen sollen.
Durch diese Geschichte weist Peter Altenberg auf die soziale Komponente kindlichen Empfindens hin, d. h. wie Armut die kindliche Kreativität und Freude behindern. Das Kind reicher Eltern kann sich daran erfreuen, dass es 30 Ballons bekommt, wobei es 20 fliegen lässt und 10 verschenkt. Das arme Kind bewahrt seinen einzigen Ballon voller Sorgfalt auf, bis er schließlich vom Plafond „tot herab(fällt) wie ein Säckchen“. Das arme Mädchen konnte seine Träume nicht verwirklichen, sondern meint resigniert: „Ich hätte ihn auslassen sollen, in den blauen Himmel…“
Die Freude am Loslassen kennt das arme Kind nicht, das reiche Kind schon. Nur das reiche Kind kennt die Schönheit der Großzügigkeit, ist frei von kleinlichem Bewahren und dem Gedanken daran, dass es sparen müsste. Die sozialen Unterschiede von kindlicher Freude werden durch diese Geschichte eindringlich bewusst gemacht.


(Beide Geschichten sind im Buch „Ruckzuck“, Diogenes Verlag, 2008, veröffentlicht worden, Istvan Orkeny, Zu Hause, Seite 160, Peter Altenberg, Im Volksgarten, Seite 83f)